Wenn europäische Teilehersteller Afrika als nächste Wachstumsregion ins Auge fassen, steht am Anfang fast immer dieselbe Frage: Wo soll man anfangen? Afrika ist eben kein einheitlicher Markt. Im Automobilgeschäft hängt die ehrliche Antwort von zwei Größen ab, die sich unterschiedlich schnell verändern: vom heutigen Volumen des Aftermarkets und von der Entwicklung des Fahrzeugbestands über die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre.
Die etablierten Märkte
Der größte Automobilmarkt des Kontinents ist Südafrika, vor allem im Aftermarket. Dort werden zudem in nennenswertem Umfang Fahrzeuge vor Ort gebaut. Marokko ist kleiner, aber immer noch von beachtlicher Größe und setzt stark auf europäische Teile und europäische Marken. Ägypten ist groß und vergleichsweise europäisch geprägt, etwas weniger als Marokko oder Südafrika, zählt aber ebenfalls zu den etablierten Märkten. Tunesien und Algerien ähneln Marokko.
Für viele europäische Teilezulieferer sind diese Länder bereits bekannt oder abgedeckt. Die meisten europäischen Kunden, mit denen africon spricht, sind in Südafrika ohnehin schon vertreten, häufig auch in Marokko und oft im übrigen Nordafrika. Die stärker unerschlossene Wachstumsstory liegt deshalb eher in ausgewählten Märkten südlich der Sahara.
Die Wachstumsmärkte
Die wirklich noch unerschlossenen Chancen liegen in den Ländern südlich der Sahara. Sie sind heute kleiner, wachsen aber. Das beste Beispiel ist Kenia. Die Bevölkerung ist groß und bislang kaum motorisiert, die Einkommen steigen, und damit dürfte auch die Zahl der Autos, Lkw und Busse zunehmen, und mit ihr der Bedarf an Ersatzteilen. Tansania, Ghana und die Elfenbeinküste folgen demselben Muster.
Die Elfenbeinküste hat dabei einen vergleichsweise jungen Fahrzeugbestand, und das ist wichtig: Wer ein neueres Auto fährt, gibt eher Geld für gute Teile aus. Das gilt auch umgekehrt, und das sollte man ruhig deutlich sagen: Wer ein zwanzig Jahre altes Auto fährt, steckt keine 500 Euro in hochwertige Ersatzteile. Das Ersatzteil hält dann länger als das Auto. Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge ist deshalb ein Frühindikator dafür, ob sich ein ernsthafter Einstieg in den Aftermarket lohnt.
Äthiopien kann je nach Produkt interessant sein, bringt aber einige Hürden mit sich, die man prüfen sollte, bevor man das Land oben auf die Liste setzt.

Source: africon analysis
Was dieser Slide zeigt: EU-Automobilimporte in Afrika. Südafrika ist der größte Markt, Marokko verbindet einen hohen Marktanteil mit hohem Wachstum, und Tansania sowie die Elfenbeinküste sind schnell wachsende, aufstrebende Märkte.
Der Sonderfall Nigeria
Nigeria steht für sich. Der Markt für Autoteile ist riesig, aber stark über den Preis getrieben: Es gibt viele Fälschungen, und Importeure zahlen die fälligen Zölle oft schlicht nicht. Ein westlicher Anbieter, der unter diesen Bedingungen über den Preis mithalten soll, hat es beim Einstieg wirklich schwer. Die laufenden Reformen kommen international gut an und könnten das Bild mit der Zeit verändern. Bis dahin bleibt Nigeria eher eine Wette auf die Zukunft als ein Markt, mit dem man fest plant.
Was die Wettbewerber zeigen
Einige wenige westliche Anbieter aus der EU, den USA, Japan und Korea sind bereits auf dem ganzen Kontinent unterwegs. Die erfolgreichen darunter erzielen allein im Aftermarket Umsätze im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich, verteilt über mehrere afrikanische Länder. Das zeigt zweierlei: Der Markt ist groß genug, um geschäftlich ernst genommen zu werden, und gleichzeitig noch nicht überlaufen.
Wo man am besten anfängt
Für einen europäischen Teilezulieferer, der sich heute mit Afrika beschäftigt, lässt sich die Auswahl meist klar ordnen. Südafrika und Marokko sind die etablierten Einstiegsmärkte für qualitativ anspruchsvolle Produkte. In Kenia, der Elfenbeinküste, Tansania und Ghana liegt am ehesten das Wachstum der kommenden zehn Jahre. Nigeria ist eine eigene und schwierigere Entscheidung. Welches Land sich als Einstieg anbietet, hängt vom Produkt ab, vom Preissegment und davon, wie viel Geduld das eingesetzte Kapital mitbringt.
Wenn Sie eine genauere Einschätzung für ein bestimmtes Land oder Produkt möchten, schaut africon sich gern gemeinsam mit Ihnen an, wo für Ihre Produktkategorie die besten Chancen liegen.